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50 Jahre Volkssternwarte Remscheid

Achim Beerheide und Peter Kalbitz, Remscheid

Abb. 1: Der Bismarckturm im Jahre 2018

Die Entwicklung der astronomischen Volksbildung in Deutschland begann, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, erst nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem in der Zeit von den 1950er bis zu den 1970er Jahren. In diesem Zeitraum wurde auch die Volkssternwarte Remscheid gegründet; am 3. Oktober 1968 konnte sie der Öffentlichkeit übergeben werden. Seither sind 50 Jahre vergangen - ein willkommener Anlass also, einen Blick zurück auf die Geschichte dieses Observatoriums zu werfen.

Wie wir alle wissen, braucht es engagierte Bürger, um etwas auf die Beine zu stellen. In Remscheid war die treibende Kraft der Mathematik- und Physiklehrer Hans Schäfer. Als die Bundesrepublik Deutschland gerade laufen lernte, hielt er astronomische Vorträge und sammelte in den 1950er Jahren etwa 20 - 30 Interessierte in der ersten astronomischen Arbeitsgemeinschaft um sich. Man traf sich in einer Schule und beobachtete mit mobilen Fernrohren - überwiegend 60mm-Refraktoren - vom Schulhof aus. Optimale Bedingungen für die astronomische Beobachtung sehen anders aus. Daher trat Hans Schäfer, der 1960 neben seinem Lehrerberuf am damals noch jungen Observatorium Hoher List in der Eifel spektroskopische Messungen unternahm (die dann in seiner Promotion zum Doktor der Physik mündeten), geduldig für eine Volkssternwarte in Remscheid ein und erhielt hierfür innerhalb einiger Jahre rund 40.000 DM als Geld- und Sachspenden von Unternehmen und der Bevölkerung.

Als Domizil der Sternwarte war der im Krieg stark beschädigte und nun als Ruine brachliegende Bismarckturm am Rande des Stadtparks ins Auge gefasst worden, zumal er leicht erreichbar und wegen seiner Höhe von fast 30 Metern in der Rundumsicht nicht beeinträchtigt war. Dr. Schäfer konnte schließlich die Verantwortlichen der Stadt Remscheid überzeugen, und so wurde in den Jahren 1963 bis 1968 aus der Ruine eine ansehnliche Sternwarte, die mit einer 5-Meter-Kuppel gekrönt wurde. Seitdem verfügt von allen 173 aktuell noch vorhandenen Bismarcktürmen nur der in Remscheid über ein astronomisches Observatorium. Am 3. Oktober 1968 war es dann soweit: im Beisein von Vertretern der Politik und der Verwaltung konnte Dr. Hans Schäfer die Sternwarte endlich eröffnen.

Rückgrat der Sternwarte war und ist ein historisches Linsenfernrohr der Münchener Firma Reinfelder & Hertel. Dr. Schäfer konnte es Mitte der 60er Jahre für nur 3.700 DM erwerben, als es durch die Urania-Sternwarte Wiesbaden zum Verkauf angeboten wurde (vgl. sternzeit 4/2018, S. 179 ff.). Der Refraktor hat ein Fraunhofer-Objektiv von 215 mm Durchmesser mit einer Brennweite von 2.500 mm, woraus sich ein - für ein solches Teleskop - doch beachtliches Öffnungsverhältnis von 1/11,6 ergibt. Das Fernrohr hat seine eigene Geschichte: 1887 wurde das Teleskop an seinen Erstbesitzer - den Freiherrn Eduard von Lade - an dessen Privatsternwarte in Geisenheim am Rhein geliefert. Von Lade hatte ein ansehnliches Vermögen erworben und auf dem Dach seines Palais Mon Repos seinen Jugendtraum einer Sternwarte verwirklicht. Das Fernrohr war ein ungefährer Nachbau des Refraktors, mit dem der Mailänder Astronom Giovanni Schiaparelli 1877 „canali“ auf dem Mars beobachtet zu haben glaubte. Mit dem Fernrohr beobachtete gelegentlich auch der Heidelberger Astronom Max Wolf, der dessen Qualität lobte. Da alle Kinder von Lades vor ihm starben, konnte die Sternwarte nach seinem Tode 1904 nicht mehr fortgeführt werden und verfiel im Laufe der folgenden Jahrzehnte allmählich. In den 1940er Jahren übernahm die Urania-Sternwarte das Gerät, hatte letztlich nach dem Krieg aber keine ausreichende Kuppel dafür und verkaufte es nach Remscheid.

 

Titelbild Ausgabe 1/2019

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