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Sternzeit-Himmel
Aktuelle Beobachtungshinweise für das 2. Quartal 2019

Heiko Ulbricht, Freital

Am Abend des 5. Juni begegnet die 58h alte Mondsichel den Planeten Merkur und Mars.

Alle Zeitangaben in MEZ und für 51° N und 10°E

Planeten

Merkur kann im Juni in einer bescheidenen Abendsichtbarkeit erspäht werden. Seine größte östliche Elongation erreicht der sonnennächste Planet am 24.06. mit 25° Winkelabstand zur Sonne. Erstmals ist Merkur um den 05.06. am Abendhimmel zu sehen, wo er immerhin – 0,7 mag erreicht. In seiner Nähe finden sich auch die Sichel des zunehmenden Mondes und Mars (s. Grafik). Die Merkurdichotomie (Halbphase) ereignet sich am 18.06. An diesem Tag wandert der Götterbote zudem in nur 0,2° Distanz an Mars vorüber, wobei zur Beobachtung ein Fernglas benutzt werden sollte.

Venus zieht sich im zweiten Quartal allmählich vom Morgenhimmel zurück. Bis Ende Juni wird sie immer unauffälliger: ihre Helligkeit sinkt auf – 3,9 mag, der scheinbare Durchmesser fällt unter 10“.

Mars ist zu Beginn des Quartals noch immer ein Objekt des Abendhimmels. Aber auch er entzieht sich allmählich den Blicken des Beobachters. Gegen Ende Juni wird man dann vergeblich nach ihm Ausschau halten. Seine Helligkeit sinkt von +1,5 mag auf +1,8 mag, der scheinbare Durchmesser des Marsscheibchens erreicht nur noch bescheidene 3,7“ am 30.06..

Jupiter wird das Objekt des Nachthimmels. Zunächst bleibt er am 10.04. stehen und beginnt seine Oppositionsschleife. Danach bewegt er sich rückläufig durch das Sternbild des Schlangenträgers. Ende Mai wird der – 2,6 mag helle Gasriese dann bereits zum Planeten der gesamten Nacht. Sodann befindet er sich am 10.06. in Opposition zur Sonne, welcher er im Schlangenträger einnimmt. Mit – 2,6 mag und 46“ scheinbarem Durchmesser ist er der König der Nacht und das weitaus hellste Objekt am Sternenhimmel, wenn man vom Mond absieht. Er befindet sich die gesamte Nacht über dem Horizont und kann optimal beobachtet werden. Das Wechselspiel seiner vier großen Monde und die reich strukturierte Atmosphäre faszinieren den Beobachter.

Saturn setzt am 30.04. im Schützen zu seiner diesjährigen Oppositionsschleife an. Der Ringplanet baut seine Sichtbarkeit am Morgenhimmel kontinuierlich aus. Ende Juni ist er bereits +0,1 mag hell und erreicht 18,4“ scheinbaren Durchmesser. Am 09.07. steht auch er dann in Opposition zur Sonne und ist die ganze Nacht über sichtbar. Dazu mehr in der nächsten Ausgabe von sternzeit.

Uranus befindet sich im April in Konjunktion zur Sonne, wandert also mit ihr über den Tageshimmel und bleibt daher unsichtbar. Selbst bis Ende Juni schafft es der grünliche Gasplanet noch nicht hinreichend, sich aus den Dunstschichten und Strahlen der Sonne am Morgenhimmel zu befreien, da die Morgendämmerung ebenfalls sehr zeitig einsetzt.

Neptun kann frühestens Ende Juni mit lichtstarker Beobachtungstechnik am Morgenhimmel tief im Südosten im Wassermann aufgesucht werden. Der +7,9 mag helle blaue Gasriese wird aber alsbald von den Strahlen der aufgehenden Sonne verschluckt.

Pluto kommt am 25.04. im Gewimmel der Milchstraße im Schützen zum Stillstand und setzt zu seiner Oppositionsschleife an. Im Juli steht er dann in Opposition und zwar am 14. des Monats.

In der Nacht vom 9. auf den 10.04. erreicht Pallas im Bootes die Oppositionsstellung, in der Nähe des +2,6 mag hellen Sterns Eta Bootis. Pallas leuchtet dabei genauso hell wie Neptun mit +7,9 mag.

Ceres steht am 28.05. im Schlangenträger in Opposition zur Sonne und wird +7,0 mag hell. Im Fernglas sollte es keine Mühe machen, den größten Zwergplaneten im Asteroidengürtel ausfindig zu machen.

Meteorströme

Vom 16.04. bis 25.04. wird der Meteorstrom der Lyriden aktiv. Der Radiant liegt in der Leier, ca. 7° südwestlich von Wega. Mit einer Geschwindigkeit von 49 km/s stellen die Lyriden ziemlich schnelle Objekte dar. Das Maximum liegt in der Nacht vom 22.04. zum 23.04., wobei rund 20 Meteore pro Stunde erwartet werden können. Einige davon können recht hell werden. Es gab Jahre, in denen aber deutlich mehr Meteore beobachtet wurden. Die Lyriden entstammen dem langperiodischen Kometen C/1861 G1 (Thatcher), welcher 415 Jahre für einen Sonnenumlauf benötigt.

Ein weiterer, recht ergiebiger, aber eher ungünstig zu beobachtender Meteorstrom in unseren Breiten sind die Eta-Aquariden (Mai-Aquariden), welche bereits Ende April das Firmament betreten und bis Mitte/Ende Mai beobachtet werden können. Der Radiant liegt bei Eta Aquarii. Das spitze Maximum wird am 06.05. erreicht. Im Mittel können etwa 20 Meteore pro Stunde beobachtet werden, um die Zeit des Maximums sogar bis 60. Da der Radiant in unseren Breiten erst kurz vor der Morgendämmerung aufgeht, sind die Bedingungen für Mitteleuropa nicht ideal. Daher gilt: je weiter südlich, desto besser. Ursprungskomet ist der Komet 1P/Halley. Für südliche Beobachter gehört dieser Strom zu den ergiebigsten des Jahres. Die Geschwindigkeit liegt um 60 km/s, auffallend lange Leuchtspuren sind die Folge.

Der Sternenhimmel

Am Sternenhimmel kehrt nun endgültig der Frühling ein. Die typischen Sternbilder der Jahreszeit – Löwe, Jungfrau, Haar der Berenike, Bootes, Becher, Rabe und Wasserschlange erobern den Nachthimmel.

Das Haar der Berenike ist ein recht unscheinbares Sternbild, was vom Äußeren her einem offenen Sternhaufen ähnelt. Mitte April um 22 Uhr finden wir es hoch über Süd. Am besten sucht man es außerhalb lichtüberfluteter Städte auf. Blicken wir zu diesem Sternbild, schauen wir recht genau in Richtung Nordpol unseres Milchstraßensystems. Daher fehlen hier ausgeprägte Gas- und Staubwolken.

Mit Hilfe eines lichtstarken Fernglases finden wir hier den offenen Sternhaufen Melotte 111. Ebenso bekannt ist in diesem Sternbild eine gewaltige Ansammlung ferner Sternsysteme, bekannt als Coma-Haufen, welcher 300 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Das Sternbild geht als einziges auf eine reale Gestalt der Geschichte zurück – Berenike war die Gemahlin des ägyptischen Königs Ptolemaios III. Berenike opferte ihr Haar der Göttin Aphrodite, um die Rückkehr ihres Mannes aus dem Dritten Syrischen Krieg zu erwirken.

Unmittelbar über Süd finden wir die Wasserschlange, das ausgedehnteste Sternbild des Himmels. Mehr als ein Drittel des Vollkreises südlich des Himmelsäquators nimmt das Sternbild ein. Der hellste Stern des Bildes mit dem Namen Alphard, ragt über den Himmelsäquator empor und stellt den Kopf der Schlange dar. Er ist ein relativ heller Stern mit einer Helligkeit von 1,97mag. Er besitzt den 40fachen Durchmesser unserer Sonne. Dieser Umstand bewirkt, dass der Stern trotz 200 Lichtjahren Entfernung noch in dieser Helligkeit vom Himmel leuchten kann.

Mitte Juni dauert es bis Mitternacht, um den frühsommerlichen Sternenhimmel bewundern zu können. Die astronomische Dämmerung endet nicht, die Abenddämmerung geht nahtlos in die Morgendämmerung über. Im Süden kulminiert der Herkules und mit ihm einige seiner schönsten Objekte: die drei kugelförmigen Sternhaufen M13, M92 und NGC 6229.

Obwohl in der griechischen Mythologie der stärkste und bekannteste Held, schwächelt der Herkules am Himmel. Die Fläche des Bildes ist zwar ziemlich groß – aber seine nicht sehr hellen Sterne machen das Bild zu den etwas unscheinbareren ihrer Art. Der Hauptstern Ras Algethi zählt zu den Riesen im Kosmos, dessen Durchmesser den unserer Sonne um das 800fache übersteigt. Vor 500 Jahren machte sich sein Licht auf den Weg zu uns und schon in kleineren Fernrohren entpuppt er sich als Doppelstern. 3600 Jahre benötigt sein Begleiter für eine Runde um ihn.

Im Nordosten steigt die Kassiopeia wieder empor, während der Große Wagen seiner „Parkposition“, der unteren Kulmination, entgegen strebt. An ein Phänomen lauer Sommernächte sei hingewiesen: es ist die Zeit Leuchtender Nachtwolken. Diese zauberhaften Erscheinungen bläulich schimmernder Wolken über dem Nordhorizont fesseln stets aufs Neue.

Sonne

Datum Dämmerungsanfang Aufgang Kulmination Untergang Dämmerungsende
01.04. 04h 00min 05h 54min 12h 23min 18h 54min 20h 49min
15.04. 03h 20min 05h 24min 12h 20min 19h 17min 21h 22min
01.05. 02h 30min 04h 51min 12h 17min 19h 43min 22h 07min
15.05. 01h 38min 04h 28min 12h 16min 20h 05min 22h 59min
01.06. - 04h 08min 12h 17min 20h 27min -
15.06. - 04h 02min 12h 20min 20h 38min -
30.06. - 04h 06min 12h 23min 20h 40min -

Beginn der Sonnenrotation Nr. 2216: 2019 April 08, 20h 13min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2217: 2019 Mai 06, 02h 19min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2218: 2019 Juni 02, 07h 30min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2219: 2019 Juni 29, 12h 15min

Mond-Phasen

Neumond Erstes Viertel Vollmond Letztes Viertel
05.04. 09h 50min 12.04. 20h 06min 19.04. 12h 12min 26.04. 23h 18min
04.05. 23h 45min 12.05. 02h 12min 18.05. 22h 11min 26.05. 17h 34min
03.06. 11h 02min 10.06. 06h 59min 17.06. 09h 31min 25.06. 10h 46min

Mond-Apsiden

Apogäum Perigäum
Datum MEZ Entfernung in km Datum MEZ Entfernung in km
01.04. 01h 14min 405575 16.04. 23h 06min 364207
28.04. 19h 18min 404580 13.05. 22h 51min 369013
26.05. 14h 25min 404137 08.06. 00h 15min 368505
23.06. 08h 51min 404548      

Besondere Ereignisse

02.04.2019
05h 30min: Mond bei Venus (3.4°), schwierig beobachtbar

09.04.2019
19h 50min: Mond bei Mars (6.8°)

10.04.2019
09h 00min: Merkur im Aphel
18h 00min: Jupiter Stillstand, anschließend rückläufig

11.04.2019
21h 00min: Merkur in größter westlicher Elongation (28°)

18.04.2019
03h 00min: Venus im Aphel

23.04.2019
00h 10min: Uranus in Konjunktion zur Sonne
04h 00min: Mond bei Jupiter (4.8°)

25.04.2019
04h 00min: Mond bei Saturn (5.8°)
10h 00min: Pluto Stillstand, anschließend rückläufig

26.04.2019
03h 00min: Mond bei Saturn (6.3°)

30.04.2019
03h 00min: Saturn Stillstand, anschließend rückläufig

07.05.2019
20h 45min: Mond bei Mars (5°)

20.05.2019
22h 20min: Mond bei Jupiter (2.9°)

21.05.2019
14h 00min: Merkur in oberer Konjunktion zur Sonne

23.05.2019
00h 00min: Mond bei Saturn (1.5°)

24.05.2019
08h 00min: Merkur im Perihel

04.06.2019
21h 00min: Mond bei Merkur (4.5°), Fernglas benutzen!

05.06.2019
21h 30min: Mond bei Mars (3.4°), Merkur in der Nähe, siehe Grafik

10.06.2019
16h 00min: Jupiter in Opposition zur Sonne (-2.6 mag)

16.06.2019
21h 30min: Mond bei Jupiter (1.6°)

18.06.2019
21h 30min: Merkur bei Mars (0.2°!), Fernglas benutzen!

19.06.2019
03h 00min: Mond bei Saturn (1.7°)

21.06.2019
16h 55min: Astronomischer Sommeranfang, Sommersonnenwende, Solstitium

22.06.2019
05h 00min: Neptun Stillstand, anschließend rückläufig

24.06.2019
00h 00min: Merkur in größter östlicher Elongation (25°)
02h 00min: Mond bei Neptun (4.5°)

27.06.2019
03h 00min: Mond bei Uranus (5.5°)

 

Titelbild Ausgabe 2/2019

Dieser Text erschien in

Ausgabe 2 / 2019

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