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Raumfahrt
Die Anfänge der Weltraumfahrt der USA (Teil 4): Das Gemini-Programm

Peter Osenberg, Remscheid

In den drei vorherigen Ausgaben wurden die ersten Schritte der US-Weltraumfahrt nach dem zweiten Weltkrieg, die Mercury-Flüge und der Beginn des Gemini-Programms der NASA näher betrachtet. In dieser Ausgabe erfahren Sie, wie das Programm erfolgreich beendet und damit die Ära des Apollo-Programms eingeläutet wurde.

Während an der Kapsel noch gearbeitet wurde, befand sich die erste Titan-II-Rakete bereits am Cape. Doch es dauerte bis zum 31. Januar 1964, bis die Rakete erstmals aufgerichtet wurde und erst am 08. April 1964 hob die mit Testausrüstung bestückte, unbemannte GT-1 ab. Das wichtigste Ziel wurde erreicht, nämlich eine höhere Umlaufbahn als bisher zur Vorbereitung auf die Rendezvous-Flüge zu erreichen. Und fünf Tage nach dem Flug von GT-1 wurde die Crew von GT-3 erstmals öffentlich bekanntgegeben, wodurch der erste bemannte Gemini-Flug in greifbare Nähe rückte. Doch der Flug von GT-2 verzögerte sich aufgrund mehrerer über Florida erwarteter Hurrikane.

Mit dem Start des Gemini-Programms und der Schaffung des Astronautenbüros mit Deke Slayton an der Spitze arbeiteten etwa 300 Personen in diesem Bereich der NASA in verschiedenen Abteilungen. So wurde u.a. auch ein eigener Flugzeugpark unterhalten und man kümmerte sich um Flugsicherung, Flugplanung, Simulatoren oder auch um die Unterkünfte für die Crew. Einige der Astronauten arbeiteten weiter im Gemini-Team, andere schon am Apollo-Programm. Man ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass diese sechsundzwanzig Astronauten für das gesamte Gemini- und Apollo-Programm ausreichen würden. Und es hätte den Vorteil, dass jedem der Astronauten ein Flug garantiert wurde. Dennoch wurde entschieden, im Jahr 1965 einige Kandidaten für eine Gruppe Wissenschaftsastronauten auszuwählen, vorzugsweise Geologen und Physiker.

Nach den vergeblichen Startversuchen im Sommer 1964 wurde der Start von GT-2 zunächst für den 09. Dezember 1964, dann für den 19. Januar 1965 terminiert. Der Flug verlief erfolgreich und 18 Minuten nach dem Start landete Gemini 2 sicher im Atlantik. Der erste bemannte Gemini-Flug stand nun unmittelbar bevor. Doch es gab wieder neue Probleme, die zu weiteren Verzögerungen führten. Eines davon waren die neuen Energiezellen auf Treibstoffbasis, die das Raumschiff bis zu zwei Wochen mit Energie versorgen sollten. Die Grenze für die Versorgung mittels Batterien lag bei etwa vier Tagen, was natürlich viel zu kurz war. Es dauerte, bis diese wirklich einsatzfähig waren, so dass die ursprünglich geplante Flugdauer bei GT-4 verkürzt wurde.

Bei all diesen Bemühungen der Amerikaner, Gemini endlich auf den Weg zu bringen, darf man die weitere Entwicklung bei den Sowjets nicht aus den Augen verlieren, die zu diesem Zeitpunkt noch immer einen deutlichen Vorsprung besaßen. Am 12. Oktober 1964 starteten sie Woschod (Sonnenaufgang), ein neues Raumfahrzeug, das mit drei Astronauten (Wladimir Komarow, Konstantin Feoktistow und Boris Yegorow) bemannt war, die einen Tag im Orbit blieben. Erst Jahre später wurde klar, dass es sich bei diesem Raumschiff um eine Wostok-Rakete gehandelt hatte, bei der der Schleudersitz entfernt worden war und stattdessen drei sehr schmale Sitze eingebaut wurden. Die Kosmonauten wurden ohne Druckanzüge in den Orbit geschossen, um Gewicht und Platz zu sparen. Es gab kein Rettungssystem an Bord, doch zum Glück verlief der Flug erfolgreich.

Kurz vor dem geplanten Start von GT-3 hob dann eine zweite Woschod-Rakete mit Alexei Leonow und Pavel Belyayew von Baikonur ab. Bereits am Ende der ersten Erdumkreisung verließ Leonow die Kapsel und hielt sich für zehn Minuten nur im Druckanzug im Weltraum auf. Die beiden Kosmonauten mussten jedoch unplanmäßig im Ural landen – inmitten dichter Bewaldung. Es dauerte viele Stunden, bis sie überhaupt gefunden wurden. Doch trotzdem hatten die Sowjets erneut die Nase vorn: dieses Mal durch den ersten „Weltraumspaziergang“, der bei der NASA zu diesem Zeitpunkt erst im Rahmen der GT-5-Mission vorgesehen war.

Zwei Astronauten im All

Am Morgen des 23. März 1965 war es dann endlich soweit. Das erste Team für einen bemannten Gemini-Flug machte sich auf den Weg. An Bord befanden sich die Astronauten Gus Grissom und John Young. Die Kapsel selbst wurde auf den Namen Molly Brown getauft, in Anlehnung an das zu dieser Zeit populäre Musical „The Unsinkable Molly Brown“ und in Anspielung auf den „Beinahe-Untergang“ der Liberty Bell 7 - Kapsel von Gus Grissom im Juli 1961. Bereits knapp sechs Minuten nach dem Start befanden sie sich im Orbit, wenngleich etwas höher als geplant. Dies war eine gute Übung für Bremsmanöver, die zu niedrigeren Umlaufbahnen führten. Bremsmanöver, die auch bei späteren Kopplungsmanövern zwischen zwei Kapseln erforderlich sein würden.

Mit dem nächsten Flug der GT-4 sollte dann doppelt so lange die Erde umkreist werden als je zuvor mit einer bemannten amerikanischen Kapsel. Und damit verbunden waren Dinge wie z.B. die Nahrungsaufnahme im Weltraum und vorbereitende Manöver für spätere Kopplungen. Schließlich sollte die Mission erstmalig von Houston aus geleitet werden, sobald der Start am Cape erfolgt war. Der Druck innerhalb der NASA war seit dem Bekanntwerden von Leonow’s Ausstieg größer geworden und es wurde rund um die Uhr an den Komponenten, wie z.B. dem neuen Druckanzug, gearbeitet. McDivitt und White nahmen das Ausstiegsmanöver in ihr Trainingsprogramm auf. Am 03. Juni 1965 gelang der Start von GT-4.

 

Titelbild Ausgabe 2/2019

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