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Raumfahrt
Die Anfänge der Weltraumfahrt der USA (Teil 5)

Peter Osenberg, Remscheid

In den bisherigen Ausgaben wurden die ersten Schritte der US-Weltraumfahrt nach dem zweiten Weltkrieg sowie die Mercury- und Gemini-Flüge näher betrachtet. In dieser Ausgabe stehen das Apollo-Programm und damit auch die erste bemannte Mondlandung im Mittelpunkt.

Nach dem Abschluss des Gemini-Programms war die US-Raumfahrt nun an dem Punkt angelangt, wo es darum ging, das von John F. Kennedy ausgegebene Ziel umzusetzen: einen Menschen zum Mond und sicher wieder zurückzubringen. Drei Jahre Zeit blieben noch dafür. Ein Problem war es jedoch, dass der Zeitplan immer mehr in Frage gestellt wurde. Sowohl bei North American (NAA), die neben dem Kommando-Modul auch die zweite Stufe der Saturn V-Rakete bauten, als auch bei Grumann Aircraft, die die Mondlandefähre bauten. Letztendlich wurde ein neuer Zeitplan aufgestellt und dabei insgesamt sieben Missionen neu formuliert, die bis zur eigentlichen Mondlandung zu bewältigen sein würden. Sie sollten folgendes beinhalten:

Einen unbemannten Flug einer Apollo-Rakete, mit den Missionen AS-201 bis 203 bis dahin abgeschlossen. Einen unbemannten Flug der Kapsel und des Mondlandemoduls (zu diesem Zeitpunkt weit hinter dem Zeitplan zurück und noch nicht realisierbar). Den ersten bemannten Flug des Kommando-Moduls, jedoch ohne Mondlandemodul. Den ersten bemannten Apollo-Flug mit Mondlandemodul, immer noch in niedriger Erdumlaufbahn. Einen weiteren bemannten Flug im hohen Erdorbit. Die Simulation einer Mondumrundung mit Trennung und Kopplung der Landefähre vom Kommandomodul im hohen Erdorbit. Und natürlich die eigentliche Mondlandung. In der ersten Zeit der Entwicklung wurde an zwei verschiedenen Kommandomodulen gearbeitet, die sich dadurch unterschieden, dass bei dem einen die Andockschleuse fehlte, mit der an das Lunar-Modul gekoppelt werden konnte. Dies wurde ja nicht für alle Flüge benötigt. Doch die Verzögerungen häuften sich, es wurde immer unwahrscheinlicher, die Zeitpläne einzuhalten.

Am Morgen des 27. Januar 1967 konnte noch keiner ahnen, welchen herben Rückschlag dieser Tag für die amerikanische Raumfahrt bedeuten sollte. Die drei Apollo 1-Kandidaten (Grissom, White und Chaffee) sollten einige Routineübungen in der Kapsel absolvieren und sich auf ihren für den 21. Februar geplanten Flug vorbereiten. Am Tag zuvor hatte bereits die Reservecrew die Druckanzüge getestet. Alles verlief so, wie es am Starttag auch verlaufen sollte. Nach dem Frühstück gingen die drei zur Startrampe. Slayton und Roosa, der als Capcom die Startkontrolle übernehmen sollte, befanden sich im Startbunker. Plötzlich meldete sich Chaffee über Funk: „Feuer in der Kapsel! Wir verbrennen! Holt uns raus!“ Dann ein Schrei und das war es. Es dauerte genau 18 Sekunden, doch dies erschien wie eine Ewigkeit. Zunächst waren die Verantwortlichen noch optimistisch, die Crew bergen zu können. Doch man musste feststellen, dass sich die Luke nicht schnell genug öffnen ließ. Die USA hatte den gleichen Fehler begangen wie die Sowjets einige Zeit zuvor. Auch dort war beim Training ebenfalls ein Kosmonaut bei lebendigem Leibe verbrannt. Doch dies wurde jahrzehntelang in sowjetischen Archiven unter Verschluss gehalten und war damals der NASA noch nicht bekannt.

Die Atmosphäre im Inneren der Kapsel bestand aus reinem Sauerstoff. Ein kleiner Funke durch einen elektrischen Kurzschluss hatte genügt, die Katastrophe auszulösen. Die Luke selbst bestand aus mehreren Ebenen. Die innerste zum Beispiel musste durch den Kommandomodul-Piloten an mehreren Handrädern gelöst und in die Kapsel hineingezogen werden. All dies nahm schon unter günstigen Umständen mehrere Minuten in Anspruch. Zu lange also. Und das in einem Moment, in dem niemand damit rechnete. Wäre Apollo 1 nicht in diesem Fiasko geendet, wäre ziemlich sicher Gus Grissom der erste Mensch auf dem Mond gewesen, nicht Neil Armstrong, denn als einer der Mercury-Astronauten sollte er die erste Chance bekommen. Der ganze Plan geriet durcheinander. Schon kurz nach dem Unglück wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die tragischen Umstände zu klären. Denn dieses Unglück war um einiges größer und weitreichender, als frühere. Sollte eine bemannte Apollo-Rakete jemals abheben, musste alles getan werden, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholen konnte. Das NASA-Komitee veröffentlichte seinen mehr als 2000 Seiten umfassenden Bericht etwas mehr als zwei Monate nach dem Unglück. Es kam zu dem Schluss, dass die genaue Unglücksursache nicht zu ermitteln war. Es gab einen möglichen Grund: ein Funken durch einen Kurzschluss in einem Kabel, der die reine Sauerstoffatmosphäre entzündete.

Etwa in der Mitte der Untersuchungen, im April 1967, meldeten sich die Sowjets eindrucksvoll im Weltraumprogramm zurück. Seit über zwei Jahren waren sie nicht mehr geflogen, was eigentlich niemand so recht verstehen konnte. Immer waren sie den Amerikanern einen Schritt voraus gewesen. Und nun sah es so aus, als ob es gar keinen Wettlauf mehr zum Mond geben sollte – nur noch den der USA gegen ihre eigenen Zeitplan. Was die Sowjets getroffen hatte, war der Tod von Sergei Korolew im Januar 1966. Er verkörperte bei ihnen das, was für die USA Wernher von Braun war: den Motor, der Ideen entwickelte und für die technische Umsetzung sorgte. Wassili Mishin wurde sein Nachfolger. Seine erste Tat war, das Woschod-Programm nach nur zwei Flügen einzustellen, obwohl sieben vorgesehen waren. Stattdessen konzentrierte er die ganze Arbeit auf das Sojuz-Programm, das die Sowjets zum Mond bringen sollte.

Am 24. April 1967 hob Wladimir Komarow, der bereits mit Woschod 1 im Oktober 1964 im All war, mit Sojuz 1 von Baikonur ab. Zu diesem Zeitpunkt stand auch Sojuz 2 mit den Astronauten Valery Bykowski, Jewgenji Khrunow und Alexei Jelisejew zum Start bereit, der einen Tag später erfolgen sollte. Sojuz 1 sollte dann an Sojuz 2 ankoppeln, Khrunow und Yelisejew im Raumanzug übersteigen und mit Sojuz 1 zur Erde zurückkehren. Doch die Dinge liefen nicht nach Plan. Eines der zwei Sonnensegel von Sojuz 1 entfaltete sich nicht und Sojuz 2 konnte aufgrund von Wetterproblemen auf Baikonur gar nicht erst starten. Nach 16 Umkreisungen sollte Komarow schließlich wieder zur Erde zurückkehren, doch das automatische Wiedereintritt-Manöver misslang. Schließlich erfolgte der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre manuell, doch der Hauptfallschirm öffnete sich nicht. Komarow versuchte, mit dem Reserveschirm zu landen, doch der hatte sich mit dem Hauptschirm verstrickt, so daß Sojuz 1 nahezu ungebremst auf ein Feld stürzte. Da auch die zur Reduzierung der Landegeschwindigkeit eingesetzten Feststoff-Raketen versagten, explodierte die Kapsel schließlich. Kurz nach dem Unglück von Apollo 1 hatten damit auch die Sowjets einen herben Dämpfer auf dem Weg zum Mond erlitten.

 

Titelbild Ausgabe 3/2019

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