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Zu Besuch im Astro-Campus Athos auf La Palma

Abb. 1: Karte der Insel La Palma

Zu Zeiten der Covid-19 Krise ist dieser Beitrag eine Zeitreise, sowohl für den Leser, als auch für den Autor. Das freie Reisen, wie es noch im Januar 2020 eine ganz normale Sache war, wird wohl in der nahen Zukunft etwas Exotisches und eine andere Erfahrung werden, als wir es alle gewohnt waren.

Der Besuch am 24. Januar 2020 bei Herrn Kai v. Schauroth, Inhaber von Athos – Centro Astronómico S.L., war ein Teil einer Studienreise auf der spanischen Insel La Palma. La Palma ist eine der kanarischen Inseln und liegt im Atlantik vor der marokkanischen Küste. Wegen der westlichen Lage und des über die Wolken ragenden Vulkans Roque de los Muchachos ist die Insel ein bevorzugter Ort für Astronomen. Große Teile von La Palma und auch der Nachbarinsel Teneriffa gehören zu den durch die UNESCO zertifizierten „Dark-Sky Resorts“. Die professionelle Astronomie hat die höchsten Punkte der Insel La Palma unter Beschlag genommen (hierzu ist in einer der kommenden Ausgaben ein separater Beitrag geplant). Anders als auf den anderen kanarischen Inseln, sind die Besucher eher Naturfreunde und Individualisten. Partytourismus findet man hier weniger. Dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass sich auch einige Anbieter für astronomische Sightseeing Touren etablieren konnten. Herr v. Schauroth, mit dem man spätestens nach 5 Minuten auf einem freundlichen “Du” sein konnte, bezeichnete diese astronomischen Touren als „astronomischen Strandtourismus“ und grenzte damit geschickt sein Terrain ab.

Der seit rund 10 Jahren aktive Amateurastronom v. Schauroth hat noch in Deutschland den Zugang zum Hobby Astronomie gefunden. Allerdings auch unter erschwerten Bedingungen. Neben den uns allen bekannten Einschränkungen durch die Witterung, hatte er einige Erfahrungen machen müssen, deren Nennung der Autor hier für konstruktiv hält. Wer die hierarchisch aufgebauten astronomischen Vereinigungen in Deutschland vor Augen hat, wird wohl zustimmen, dass es vielerorts eingefahrene Befugnisse gibt, welche häufig Neulinge abstößt. So geriet auch er anfangs an solche astronomischen „Urgesteine“. Obwohl das für viele von uns ein bekanntes und akzeptiertes Ritual darstellt, stößt es doch auch ebenso viele aufgeschlossene und an der Astronomie interessierte Neulinge vor den Kopf. So entstand bei ihm der Wunsch, Astronomie an einem Ort mit meist guten Sichtverhältnissen, in entspannter Umgebung und ohne viele Auflagen mit wirklich motivierten Leuten zu betreiben. Besonders ist bei seinem Ansatz auch, dass er den Wunsch geäußert hat, insbesondere die Jugend wieder an das Hobby Astronomie heran zu führen. Wem ist noch nicht aufgefallen, dass unsere astronomischen Vereinigungen immer höhere Durchschnittsalter aufweisen als noch vor 20 Jahren? Das hat wohl mit der Tatsache zu tun, dass die Jugend heute Wissen und Sachverhalte anders aufnehmen möchte, als noch vor einem viertel Jahrhundert. Damals, als das Internet (zumindest in Deutschland) noch in seinen Kinderschuhen steckte, waren Wissensquellen wie Wikipedia und die Internetpräsenzen der Raumfahrtorganisationen kaum vorstellbar. Virtuelle Astronomie war noch Zukunftsmusik.

Seit 2016 entstand auf der Westseite der Insel La Palma das ATHOS Centro Astronómico. Die alte Finca wurde vorher schon als Tagungszentrum genutzt. Das Grundstück, auf dem die Finca liegt, ist rund 45.000 m² groß, liegt ca. 900 Meter über dem Meeresspiegel und wird zum Großteil noch als Plantage für die Mandel- und Avocado-Zucht genutzt. Der heute etwa 60jährige v. Schauroth war sein Leben lang selbstständig und suchte in La Palma eine Weiterentwicklung. In Deutschland ging es ihm sehr gut, aber er wollte zusammen mit seiner Partnerin dem teutonischen Stress entfliehen. Allerdings hat er sich eine ordentliche Aufgabe aufgebürdet, so dass er seine Auslastung – wenn überhaupt – nur umverteilt hat. Denn das Pflegen und auch Nutzen seiner astronomischen Mietausrüstung macht bei weitem nicht so viel Arbeit, wie die zeitgerechte Nutzung vieler alternativer Methoden zur Strom-, Wasser und Wärmenutzung für seine maximal 11 Gäste. Jeder Gast muss mindestens einen fünftägigen Aufenthalt buchen. Es gibt für alle gut ausgestattete Unterkünfte in kleinen Studios mit grandioser Sicht auf den Atlantik. Die Orangerie bildet das Herzstück der Campus. Man kann sich die Orangerie als Wohnzimmer mit Bibliothek, TV, Kaminofen, W-LAN und moderner Küche für Selbstversorger vorstellen.

 

Titelbild Ausgabe 3/2020

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