Sternzeit > Archiv / Suche > Ausgabe 3/2021 > Aktuelle Seite

sternzeit-Himmel
Aktuelle Beobachtungshinweise für das 3. Quartal 2021

Heiko Ulbricht

Abb. 1: Der Nordamerikanebel NGC 7000 im Sternbild Schwan ist mit einem lichtstarken Fernglas wie z.B. 7x50 leicht zu finden. Foto: Heinz Beister

Alle Zeitangaben in MEZ und für 51° n.B. und 10°. ö.L.! Während der Sommerzeit ist zu allen Zeitangaben 1h zu addieren!

Planeten

Merkur bleibt in unseren Breiten während des gesamten Quartals unsichtbar, zumindest für das bloße Auge. Am 04.07. erreicht er mit 21°33‘ eine größte westliche Elongation. Besitzer lichtstarker Instrumente haben dann u.U. eine kleine Chance, ihn kurz vor Sonnenaufgang zu erspähen. Seine Helligkeit beträgt +0.4 mag.

Venus ist Abendstern. Allerdings bewegt sie sich schnell nach Süden, womit sich ihre Tagbögen verkleinern. Sie hält sich also stets in Horizontnähe auf. Allerdings hat diese geringe Höhe, auch aufgrund der am Abendhimmel immer flacher verlaufenden Ekliptik, einen großen Vorteil. Begegnungen des Abendsterns mit der Mondsichel sind in Horizontnähe viel fotogener, als bei einem sehr hoch stehendem Planeten. Am 12.07. tritt dieser Fall ein, wenn sich die dünne Sichel des zunehmenden Mondes zu ihr gesellt. Alle weiteren Begegnungen findet man unter „Besondere Ereignisse“. Am 13.07. zieht sie nur 29.8‘ nördlich an Mars vorbei, wobei sich ein Fernglas aufgrund der geringen Helligkeit des roten Planeten am besten eignet. Venus‘ Helligkeit steigt von -3.9 mag zu Quartalsbeginn auf stattliche -4.2 mag am 30.09. an, womit sie leichter am südwestlichen Abendhimmel entdeckt werden kann. Ihr scheinbarer Durchmesser steigt von 11“ auf 18.8“, der beleuchtete Anteil sinkt auf 62%. Ihr Winkelabstand wächst bis Quartalsende auf 45° relativ zur Sonne.

Mars zieht sich vom Firmament zurück. Lediglich in den ersten Julitagen ist er noch mit lichtstarker Optik knapp über dem Südwesthorizont in der Nähe der Venus zu finden. Danach entzieht er sich unseren Blicken. Am 25.08. beginnt auf der Nordhalbkugel des Planeten der Sommer. Am 17.09. überschreitet er den Himmelsäquator von Nord nach Süd. Seine Konjunktion zur Sonne findet im Oktober statt.

Jupiter hält sich rückläufig im Wassermann auf. Er nähert sich rasant seiner Opposition, die er am 20.08. erreichen wird. Er ist dann die gesamte Nacht hindurch zu sehen und erreicht seinen geringsten Abstand zur Erde. Er ist jetzt das dominierende Objekt des Nachthimmels. Seine Helligkeit ist mit -2.9 mag maximal, ebenso sein scheinbarer Durchmesser, der 49.1“ erreicht. Das Wechselspiel seiner vier hellen Monde ist jetzt optimal zu beobachten, ebenso die reichhaltigen Strukturen in seiner Atmosphäre.
Einen Tag vor seiner Opposition wechselt er vom Wassermann in den Steinbock. Ganz langsam erklimmt er wieder nördlichere Positionen am Himmel, was seine Beobachtung erleichtert.

Auch Saturn beglückt den Planetenbeobachter im August mit seiner Opposition, die er 18 Tage vor Jupiter, am 02.08., erreicht. Somit steht auch er der Erde am nächsten und leuchtet mit maximaler Helligkeit. Allerdings erreicht er dabei nicht seine maximal mögliche Helligkeit von -0.5 mag, sondern „nur“ +0.2 mag. Die Helligkeit des Planeten wird nämlich auch von der Öffnung des Ringes mitbestimmt. Der Ring ist zu 18.2° geöffnet. Erst bei der Opposition am 24.12.2032 wird er -0.5 mag hell, denn er durchläuft dann kurz davor das Perihel seiner Bahn und der Ring ist dann 27° weit geöffnet.

Uranus taucht allmählich wieder am Morgenhimmel auf. Er befindet sich im Sternbild Widder. Am 20.08. kommt er zum Stillstand. Mit diesem beginnt seine diesjährige Oppositionsperiode. Seine Helligkeit steigt auf die altbekannten +5.7 mag an, der scheinbare Durchmesser auf knapp 4“. Die Opposition des grünlich-bläulichen Planeten tritt erst Anfang November ein.

Neptun bewegt sich rückläufig durch den Wassermann. Er verlagert seine Aufgänge in die späten Abendstunden. Am 14.09. erreicht auch er seine Opposition: +7.8 mag hell, 2.4“ scheinbarer Durchmesser. Somit stehen im 3. Quartal gleich drei Planeten und Pluto in Opposition.

Pluto tut es Jupiter, Saturn und Neptun gleich: der bekannteste Zwergplanet kommt am 17.07. um Mitternacht in Opposition (00:00 am 18.), wobei er im Schützen zu finden ist. Mit +14.3 mag bedarf es einer lichtstarken Optik, um den größten unter den Zwergen aufzuspüren. Mit 0.1“ scheinbarem Durchmesser erfreut es den Beobachter, wenn er die passende Stelle am Himmel gefunden hat.

Meteorströme

Der bekannteste unter den Meteorströmen die alljährlich auftretenden Perseiden, erreicht am Morgen des 12.08. sein Maximum. Die maximale Aktivität des Stromes lässt sich etwa vom 09. bis 14.08. eingrenzen, wobei die ersten Vorläufer bereits Ende Juli sichtbar werden. Helle Meteore, sogenannte Feuerkugeln um die 0 mag oder heller, treten recht häufig auf. Bis zu hundert Meteore pro Stunde können sichtbar sein. Als reichsten Strom kann man die Perseiden aber nicht mehr bezeichnen: die Geminiden im Dezember haben die Perseiden an Aktivität überholt (siehe SZ 2/21, Galerie, Seiten 82/83).

Allerdings können wir uns dieses Jahr auf deutlich mehr Sternschnuppen freuen. Durch Jupiters gravitativen Einfluss hat sich die Distanz zum Strom verringert. Auch werden Meteore erwartet, die vor vier Umläufen im Jahre 1479 vom Mutterkometen 109P/Swift-Tuttle abgesprengt wurden. Zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens liegt die beste Beobachtungszeit. Die Perseiden sind mit 60 km/s Eintrittsgeschwindigkeit in die Erdatmosphäre sehr schnelle Objekte. Nachzügler können etwa bis zum 25.08. gesichtet werden. Der Mond wird uns dieses Jahr überhaupt keine Sorgen bei der Perseiden-Beobachtung machen: als zunehmende Sichel sinkt er in den Tagen um den 12.08 schon eine bis zwei Stunden vor Mitternacht unter den Horizont und die Bahn ist frei für die Perseiden.

Auf einen weiteren Strom Ende August/Anfang September sei hingewiesen: die Aurigiden, die aus dem Fuhrmann zu kommen scheinen. Entdeckt wurde der Strom 1935 und wiederholt konnte erhöhte Aktivität nachgewiesen werden. Ursprung der Aurigiden ist der Komet C/1911 N1 (Kiess), der erst in rund 2000 Jahren wieder das innere Sonnensystem erreichen wird! So wurden 2007 mehr als hundert Meteore pro Stunde gesichtet. Ein Strom, der es also wert ist, in Augenschein genommen zu werden! Die Aurigiden erreichen am 31.08. ihr Maximum. Der Fuhrmann erklimmt zu dieser Zeit wieder größere Höhen über dem nordöstlichen Horizont. In der Nähe steht der abnehmende Halbmond.
Selbst bei bedecktem Himmel sind via Meteorscatter im Bereich der Radioastronomie Beobachtungen der Ströme möglich. Dies gelingt über das GRAVES-Radar in Dijon, Frankreich, auf 143.50 MHz. Wie genau dies funktioniert und welches Equipment dafür erforderlich ist, erkläre ich in einer der kommenden Ausgaben der sternzeit noch ausführlicher.

Der Sternenhimmel

Das bekannte Sommerdreieck finden wir Mitte des Quartals gegen 22 Uhr im hohen Süden. Gebildet aus Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler, liegen diese drei Sternbilder größtenteils inmitten der Milchstraße, die sich fast senkrecht über den Südhorizont erhebt. Einen besonderen Detailreichtum zeigt die Milchstraße im Bereich der Sternbilder Schwan und Adler. Gerade der Schwan bietet uns etliche schöne Objekte an, die mit einem lichtstarken Fernglas betrachtet zu den schönsten Objekten am Sommerhimmel zählen. An vorderster Stelle wäre der Nordamerikanebel NGC 7000 zu nennen. Ähnlich wie beim Orionnebel handelt es sich hierbei um eine Ansammlung interstellarer Materie, jedoch ist die Flächenhelligkeit deutlich geringer. Die Sternarmut am westlichen Rand des Nebels wird durch vorgelagerte Dunkelwolken erzeugt.

Am Sommerhimmel können noch zwei weitere Dunkelwolken beobachtet werden. Eine liegt etwa 6° nördlich von NGC 7000 und ist sehr deutlich in der sonst sternreichen Gegend zu erkennen. Es handelt sich dabei um den „Nördlichen Kohlensack“, der sich etwa 1800 Lichtjahre von uns entfernt befindet. Eine weitere Dunkelwolke, die als „Dreiteilige Dunkle Höhle“ bezeichnet wird, befindet sich 1.5° westlich des Sterns Gamma Aql.

Im Gegensatz zu den Dunkelwolken finden wir unterhalb des Adlers eine besonders helle Milchstraßenregion vor, die Schildwolke. Mit dem Fernglas erkennen wir hier eindrucksvolle offene und kugelförmige Sternhaufen. Weiter südlich davon auch leuchtende Gasnebel, H-II-Regionen, deren Betrachtung zu den eindrucksvollsten Beobachtungen am sommerlichen Himmel zählt.

Sonne

Datum Dämmerungsanfang
(astronomisch)
Aufgang Kulmination Untergang Dämmerungsende
(astronomisch)
01.07. - 04h 06min 12h 23min 20h 40min -
15.07. - 04h 19min 12h 26min 20h 31min -
01.08. 02h 00min 04h 42min 12h 26min 20h 08min 22h 49min
15.08. 02h 46min 05h 04min 12h 24min 19h 43min 22h 00min
01.09. 03h 30min 05h 31min 12h 19min 19h 07min 21h 08min
15.09. 04h 00min 05h 52min 12h 15min 18h 36min 20h 28min
30.09.

04h 28min

06h 16min 12h 09min 18h 02min 19h 50min
           

Beginn der Sonnenrotation Nr. 2246: 2021 Juli 04, 22h 12min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2247: 2021 August 01, 03h 12min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2248: 2021 August 28, 08h 50min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2249: 2021 September 24, 15h 10min

Mond-Phasen

Neumond Erstes Viertel Vollmond Letztes Viertel
      01.07. 22h 11min
10.07. 02h 17min 17.07. 11h 11min 24.07. 03h 37min 31.07. 14h 16min
08.08. 14h 50min 15.08. 16h 20min 22.08. 13h 02min 30.08. 08h 13min
07.09. 01h 52min 13.09. 21h 40min 21.09. 00h 55min 29.09. 02h 57min

Mond-Apsiden

Apogäum Perigäum
Datum MEZ Entfernung in km Datum MEZ Entfernung in km
05.07. 15h 46min 405340 21.07. 11h 27min 364518
02.08. 08h 36min 404412 17.08. 10h 16min 369128
30.08. 03h 24min 404101 11.09. 11h 02min 368465
26.09. 22h 45min 404640      

Besondere Ereignisse

04.07.2021
02h 00min: Mond bei Uranus (8.1°)
21h 00min: Merkur in größter westlicher Elongation (22°)

05.07.2021
23h 00min: Erde im Aphel (Sonnenferne), 152,1 Millionen km Abstand zur Sonne = 1,0167 AE)

08.07.2021
04h 00min: Letzte Sichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel in der Nähe Merkurs (2.9°)

11.07.2021
21h 10min: Erste sichere Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel
21h 20min: Mond bei Venus und Mars (westlich, 8.1°)

12.07.2021
21h 20min: Mond bei Venus und Mars (östlich, 4.7°)

13.07.2021
01h 00min: Mars im Aphel (249 Millionen Kilometer)
21h 00min: Venus 0.5° nördlich von Mars (Fernglas, Fotografie!)

18.07.2021
00h 00min: Pluto in Opposition zur Sonne (14.3 mag, 33.3 AE)

24.07.2021
02h 00min: Merkur im Perihel
22h 00min: Mond bei Saturn (5.0°)

25.07.2021
22h 30min: Mond bei Jupiter (6.0°)

27.07.2021
23h 00min: Mond bei Neptun (4.8°)

01.08.2021
00h 00min: Mond bei Uranus (2.8°)
15h 00min: Merkur in oberer Konjunktion zur Sonne

02.08.2021
07h 00min: Saturn in Opposition zur Sonne (+ 0.2 mag, 8.93 AE)

07.08.2021
04h 00min: Letzte Sichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel

09.08.2021
20h 20min: Erste mögliche Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel bei Mars (westlich, 5.6°, Fernglas oder Fotografie!)

10.08.2021
20h 20min: Erste sichere Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel zwischen Venus und Mars

11.08.2021
20h 20min: Mond bei Venus (5.3°)

12.08.2021
22h 00min bis 04h 00min: Maximum des Meteorstromes der Perseiden

20.08.2021
01h 00min: Jupiter in Opposition zur Sonne (- 2.9 mag, 5.03 AE)
05h 00min: Uranus Stillstand, anschließend rückläufig, Beginn der Oppositionsperiode
21h 00min: Mond bei Saturn (5.0°)

21.08.2021
21h 00min: Mond bei Jupiter (7.8°, weitere Annäherung im Lauf der Nacht)

23.08.2021
21h 00min: Merkur bei Neptun (6.6°)

27.08.2021
23h 00min: Mond bei Uranus (6.2°)

30.08.2021
03 00min: Mond im Goldenen Tor der Ekliptik zwischen Hyaden und Plejaden

31.08.2021
Maximum des Meteorstromes der Aurigiden

06.09.2021
04h 30min: Letzte Sichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel exakt oberhalb der Sonne, liegende Sichel! Fernglas benutzen und hoher Standort!
01h 00min: Merkur im Aphel

08.09.2021
19h 20min: Möglicherweise erste Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel

09.09.2021
19h 20min: Erste sichere Sichtbarbeit der zunehmenden Mondsichel in der Nähe der Venus (6.7°)

10.09.2021
19h 20min: Mond östlich der Venus (7.5°)

14.09.2021
05h 00min: Merkur in größter östlicher Elongation (27°)
10h 00min: Neptun in Opposition zur Sonne (+ 7.8 mag, 28.92 AE)

16.09.2021
19h 30min: Mond bei Saturn (7.0°)

17.09.2021
19h 30min: Mond genau zwischen Jupiter und Saturn

18.09.2021
19h 30min: Mond bei Jupiter (7.1°)

20.09.2021
19h 30min: Mond bei Neptun (6.0°)

22.09.2021
20h 21min: Astronomischer Herbstanfang, Äquinoktium

24.09.2021
21h 00min: Mond bei Uranus (2.7°)

27.09.2021
05h 00min: Merkur Stillstand, anschließend rückläufig

 

Titelbild Ausgabe 3/2021

Dieser Text erschien in

Ausgabe 3 / 2021

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis.

Die Sternzeit-Ausgabe 3 / 2021 können Sie bei Klicken zum Anzeigen bestellen.