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La Palma – astronomische Beobachtungsmöglichkeiten im Biosphärenreservat

Friedhelm Worringer

Abb. 1: Milchstraße und Drachenbäume

Dieser Text ist keine wissenschaftliche Expertise, sondern mein Erlebnisbericht mit wichtigen Informationen für eine Exkursion auf die Kanareninsel La Palma, die Isla Bonita.

Pareja alemana busca casa para alquilar... Podemos trabajar en el jardin/reparar algunas cosas en la casa. Mit dieser Anzeige in der Inselzeitschrift Occasion hatten wir versucht, eine Unterkunft für unsere Zeit auf La Palma zu finden. Ruhig sollte es sein und fernab jeglicher touristischer Ballungszentren. Dazu ein möglichst dunkler Nachthimmel, auf den ich keinesfalls verzichten wollte.

Da wir La Palma schon von früheren Besuchen her kannten, kam für uns nur die Westseite der Insel, speziell der Nordwesten mit den Ortschaften Tijarafe, Puntagorda, Las Tricias und Garafia, in Frage. Das massive Gebirge mit dem Roque de los Muchachos bildet eine Wetterscheide und hält die Wolkenmassen des Passats zurück.

Nach einer quälend langen Wartezeit kam endlich eine Antwort. Eine ältere Dame aus Deutschland bot uns ein Haus mit riesigem Grundstück im Nordwesten an. Sie war froh, dass wir Garten- und Hausarbeit übernehmen wollten und auf ihr Haus aufpassen würden. Die Dauer des Aufenthaltes war mehr oder weniger beliebig. Wir tauschten per Post Fotos aus, damit sie unsere Zuverlässigkeit überprüfen konnte. Sie war anscheinend beruhigt, und wir erlangten den Status der Unbedenklichkeit.

Wir erreichten La Palma am 17. August 2018. Zwei Wochen nach unserer Ankunft wurden dann auch die Pakete unbeschädigt angeliefert. Unsere Unterkunft im Nordwesten entsprach genau unseren Vorstellungen und war deshalb ein Volltreffer. Einsam und abgelegen, ohne direkten Nachbarn, ohne erkennbare Zufahrt zum Haus, absolut ruhig und ohne störende Lichtquellen. Die einzige Geräuschquelle kam morgens von der rund 300-köpfigen Ziegenherde, die auf der anderen Seite der Schlucht einen schmalen Zickzackweg zum Grasen emporkletterte. Am großen Garten, der terrassenförmig angelegt war, führte ein kaum benutzter Wanderweg vorbei, dahinter 80 Meter Abgrund bis auf die Straße, die durchs Tal führte. Die netten Herren von der Autovermietung in Los Llanos (ein PKW ist auf La Palma ein unbedingtes Muss) kannten uns schon, wir bekamen einen Sonderpreis und verlängerten später dann bei persönlichen Besuchen die Mietdauer jeweils um einen Monat.

Wetter

Wettermäßig hat die Insel einiges zu bieten. Beworben wird die Insel mit 3.000 Sonnenstunden im Jahr, „immer herrscht mindestens Frühling“. Unsere Erfahrung ist, dass solche Aussagen regelmäßig einen geschäftlichen Hintergrund haben und keinesfalls für die ganze Insel gelten. Wie man liest, gibt es auf La Palma mindestens 13 verschieden große Klimazonen. Es kann zu fast jeder Jahreszeit wochenlangen Sonnenschein geben, obwohl die Monate November, Dezember und Januar in der Statistik mit jeweils 10 Regentagen aufwarten können. Gelegentlich kommt es auch zu Extremwetter-Ereignissen. So fegte am 28.11.2005 der Tropensturm Delta über die Insel. Im Gebiet der Cumbrecita erreichte der Sturm 200 km/h, in einer Spitze gegen 18 Uhr sogar 325 km/h. Der Hurrikan richtete auf den Kanaren große Schäden an.

Zwischen dem 5. und 8. November 2017 gab es in der Region Garafia 549 mm Regen (der Jahresniederschlag für diese Region). Große Steine polterten durch die angrenzende Schlucht. Im Dezember 2018, also zur Zeit unserer Anwesenheit, erlebten wir fast den gesamten Monat wolkenlosen und blauen Himmel, T-Shirt-Wetter. Auch zum Jahreswechsel 2015/16 hatte es in der Weihnachtszeit sommerliche Temperaturen mit tagsüber sogar 20 Grad auf dem Roque de los Muchachos gegeben. Mehrfach im Jahr gibt es Calima. Dann wird es im Sommer richtig heiß, auch über 40 Grad. Die Temperaturen steigen dann, je höher man in die Berge fährt. Der Himmel ist trüb, astronomische Beobachtungen können nicht durchgeführt werden. Im Sommer 2016 kam dann noch der große Waldbrand dazu, bei dem verbrannte Pinienrinde viele Kilometer weit flog und nördlich von Tijarafe auf die Terrasse unseres Ferienhauses flog. Dagegen kann in manchen Wintern Schnee ab 1200 m liegen, auf dem Roque auch bis 40 cm Höhe. So fiel auch im November 2018 während unseres Inselaufenthaltes ordentlich Schnee auf dem Roque.

Das palmerische Wetter kann also einen Hobbyastronomen schon zur Verzweiflung bringen. Es regnet, die Wolkendecke will einfach nicht aufreißen, die letzten Tage des vielleicht zweiwöchigen Urlaubs brechen an. Hier gilt deshalb: je länger ein Aufenthalt möglich ist, desto besser. Dann erlebt man unvergessliche Beobachtungsabende ohne zu frieren in luftiger Kleidung. Ein Tipp: HD Meteo LaPalma und Sat 24 Kanaren informieren sehr gut über die Wetterverhältnisse.

 

Titelbild Ausgabe 3/2021

Dieser Text ist eine Leseprobe. Den vollständigen Text finden Sie in

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