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Titelstory
Rettet die Erde! Teil 2: Deep Impact

Thomas Siebold, Daisendorf

Mit dem hier vorgestellten Simulationsprogramm können verschiedene Strategien der Asteroidenabwehr durch den gezielten Einschlag einer Raumsonde auf dem Himmelskörper durchgespielt werden.

Im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie wurde ein webbasiertes Simulationsprogramm vorgestellt, mit dem die Auswirkungen eines Asteroideneinschlags auf der Erde berechnet werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang von NEAs (Near Earth Asteroids) oder allgemeiner von NEOs (Near Earth Objects), also Himmelskörpern, die der Erde gefährlich nahe kommen können. Nachdem Sie sich mit den unangenehmen Folgen eines solchen Ereignisses vertraut gemacht haben, lernen Sie im vorliegenden zweiten Teil eine weitere Simulationssoftware kennen, mit der Sie selbst - jedenfalls virtuell - zum Retter der Welt werden können!

1. Die Alternativen

Wir sind heute zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte technologisch in der Lage, ein so einschlagendes Ereignis wie dasjenige, welches vor etwa 15 Millionen Jahren im Nördlinger Ries in Süddeutschland stattgefunden hat, abzuwehren oder zumindest in seinen Auswirkungen zu vermindern. Dazu haben sich verschiedene europäische Unternehmen und Institutionen im Projekt NEOshield zusammengeschlossen, um die Risiken und mögliche Abwehrmaßnahmen zu untersuchen und die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren [1].

Je nach Größe der gefährlichen Himmelskörper sind verschiedene Maßnahmen sinnvoll. Wie Sie Tabelle 1 im vorherigen Artikel entnehmen können, sind Abermillionen von diesen Biestern im Umlauf. Die allermeisten von ihnen sind jedoch kleiner als 30 Meter, treffen deshalb zwar recht häufig auf die Erde, können aber allenfalls nur lokal begrenzten Schaden anrichten, wie Sie mittels der im ersten Teil vorgestellten Simulation leicht nachvollziehen können. Von den richtigen Monstern mit Durchmessern von mehr als einigen Kilometern sollten wir die meisten bereits kennen, da sie aufgrund ihrer Größe relativ leicht zu entdecken sind. Nach heutigem Stand befindet sich keiner von ihnen auf Kollisionskurs, was sich aber durch Bahnänderungen aufgrund naher Begegnungen mit Planeten, anderen Asteroiden oder Kometen zukünftig ändern kann.

Welche Möglichkeiten haben wir also? Die kleineren gefährlichen Objekte ab ca. 100 m Durchmesser können - sofern sie rechtzeitig entdeckt werden - mit Hilfe eines sogenannten Gravitations-Traktors aus ihrer Bahn gelenkt werden, so dass sie in genügend Abstand an der Erde vorbei fliegen. Dabei begleitet eine möglichst schwere Raumsonde den Asteroiden eine Zeit lang und lenkt ihn dabei aufgrund ihrer Schwerkraft von der ursprünglichen Umlaufbahn ab. Sind die NEAs größer, hilft das aber nicht weiter. Dann müssen sie regelrecht aus ihrer Bahn geschubst werden, ähnlich wie Billardkugeln. Man kann einen sogenannten kinetischen Impaktor auf dem Asteroiden einschlagen lassen oder bei den ganz großen Boliden Atombomben an ihrer Oberfläche zünden. Bei den beiden letztgenannten Methoden besteht die Gefahr, dass der Asteroid in Stücke gerissen wird, von denen dann mehrere an unterschiedlichen Orten auf der Erde einschlagen, so wie das im Juli 1994 beim Jupiter geschah, als der zuvor zerbrochene Komet Shoemaker-Levy 9 in einer spektakulären Serie auf dem Planeten einschlug.

[1] Website des NEOshield-Projekts: http://www.neoshield.eu/

 

Titelbild Ausgabe 4/2017

Dieser Text ist eine Leseprobe. Den vollständigen Text finden Sie in

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