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Raumfahrt
Die Anfänge der Weltraumfahrt der USA (Teil 2): Das Mercury-Programm

Peter Osenberg, Remscheid

Abb. 1: Alan Shepard, 1961 (Foto: NASA)

In der vorigen Ausgabe wurde der Weg zum Mercury-Programm der NASA beschrieben. Von den ersten Schritten nach dem zweiten Weltkrieg wie den Überschall-Flügen von Chuck Yeager bis hin zur Auswahl der ersten sieben US-Astronauten. In diesem Teil der Artikelreihe sollen nun die Mercury-Flüge selbst im Mittelpunkt stehen.

Am 21. August 1959 sollte die erste Testrakete mit der Nachbildung einer Mercury-Kapsel gestartet und dabei auch die Notfall-Fluchtrakete getestet werden. Der Start schlug fehl, wie noch viele nachfolgende auch. Im November 1959 wechselte das Team von Wernher von Braun, und damit auch die neue Saturn-Rakete, endgültig zur NASA. Diese erkannte schnell, dass man mit der größeren Saturn bis zu drei Menschen in den Orbit würde schicken können – vielleicht auch bis zum Mond. Denn drei Leute wurden als die ideale Besatzung angesehen für einen drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. In der ersten Hälfte des Jahres 1960 verlagerte sich das Geschehen teilweise nach Cape Canaveral. Die Astronauten verbrachten immer mehr Zeit damit, Raketenstarts zu verfolgen, zu beobachten, wie die Atlas Raketen abhoben... und explodierten. Das Cape war in die- sen Tagen ziemlich unbedeutend. Nicht zu vergleichen mit dem Cape Canaveral in den Hochzeiten der Space Shuttle-Flüge um die Jahrtausendwende. Am südlichen Ende war die Patrick Air Force Base, am nördlichen Ende die Abschussrampen. Dazwischen Cocoa Beach, ein kleines Nest, aber alles wurde natürlich mit der Zeit größer und bedeutender, je mehr die NASA ihre Aktivitäten dorthin verlagerte.

Am 29 Juli 1960 sollte die erste Mercury-Atlas-Rakete (MA) mit einer echten – wenngleich unbemannten – Kapsel starten. Auch dieser Start schlug fehl, zu dieser Zeit sah es wirklich schlecht aus. Mal löste sich die Verbindung zwischen Rakete und Startturm nicht, mal geriet die Rakete direkt nach dem Abheben ins Trudeln oder sie drehte sich um 180 Grad, um sich dann in den Boden zu bohren. Es war eine schwere Zeit und manchmal sah es so aus, als würde es niemals funktionieren. 1960 war aber auch ein Wahljahr in den Vereinigten Staaten: Kennedy gegen Nixon. Kennedy warf den Republikanern vor, nicht genügend Raketen gebaut zu haben, zur Abschreckung eines möglichen Angriffs der Sowjets, aber auch, dass sie das Weltraum-Rennen nicht ernst nehmen würden. So gab es nicht wenige Leute innerhalb der NASA, die glaubten, dass sich Kennedy als Präsident mehr für sie einsetzen würde. Und Kennedy gewann die Wahl. Es war George Low, der inzwischen bei der NASA die Idee einer bemannten Mondlandung vorantrieb. Für die meiste Zeit des Jahres aber blieb der Gedanke an eine Mondlandung ein Traum. Am 21. November sollte die erste Mercury-Redstone-Rakete (MR) gestartet werden, doch auch dieser Versuch schlug fehl. Erst am 19. Dezember startete MR-1A und erreichte einen Orbit von 160 Meilen, um anschließend weich im Atlantik zu landen.

Die Frage, die bereits seit einiger Zeit gestellt wurde, war die nach dem ersten Mensch im All. Sogar Kennedy hatte während seines Wahlkampfes prophezeit, dass dies ein Sowjet sein würde. Denn bereits seit der zweiten Hälfte des Jahres 1959 war bekannt, dass die Sowjets ihr eigenes Raketenprogramm entwickelten. Auf Wunsch des damaligen sowjetischen Raketen-Konstrukteurs Sergei Korolev wurde eine Gruppe von 20 Kosmonauten ausgewählt, jedoch keine wirklichen Testpiloten. Die Kandidaten, die von der Luftwaffe kamen, waren etwa Mitte zwanzig und hatten nur rund 400 Stunden Flugerfahrung. Sie nahmen an der Entwicklung der Raketen und der Kapsel nicht teil, sahen sie erstmalig zu Beginn ihres sechsmonatigen Trainings. Es war Korolev’s Team, das bereits die erste sowjetische Interkontinentalrakete gebaut hatte. Ebenso den Sputnik und die unbemannten Mondsonden. Das neue Projekt wurde „Wostok“ (Osten) genannt. Bereits am 15. Mai 1960 startete der erste Prototyp, bei dem aber der Rückflug misslang. Am 20. August erfolgte der zweite, diesmal erfolgreiche, Versuch mit zwei Hunden an Bord. Der dritte Versuch aber am 1. Dezember, wiederum mit zwei Hunden, misslang: während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre verglühte die Kapsel.

 

Titelbild Ausgabe 4/2018

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