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Raumfahrt
Eine Libelle zum Titan

Emil Khalisi

Abb. 1: Gewichtsäquivalentes Modell des Dragonfly im Test auf dem Gelände der Penn State University im Januar 2018.

Die Mission Cassini-Huygens zum Saturn gehörte zu einer der erfolgreichsten der Raumfahrtgeschichte. Die Sonde hielt sich 13 Jahre lang im Orbit um den zweitgrößten Planeten, setzte einen Lander auf dem Mond Titan ab und funkte beeindruckende Bilder sowie Messwerte zur Erde, die ihresgleichen suchen. Während die Pioneer- und Voyager-Vorbeiflüge um 1979–80 erste Eindrücke vom Ringplaneten vermittelten, hat Cassini-Huygens so viele Daten hinterlassen, dass noch zahlreiche Forschergenerationen mit der Auswertung beschäftigt sein werden.

Ein besonderes Interesse hat Titan gegolten, weil er als einziger Mond des Sonnensystems über eine nennenswerte Atmosphäre verfügt. Sie sorgt für ein variables Klima, Jahreszeiten und einen Flüssigkeitskreislauf, basierend auf kohlenwasserstoffhaltigen Gemischen. Abgesehen von der Erde kennt man keinen Himmelskörper, der solch komplexe Aspekte vereint: Turbulenzen, Wolkenbildung, ausgedehnte Seen, Erosion – kurzum: eine fremdartige Meteorologie. Zwischen der Atmosphäre, dem Gewässer und Gestein müssen zudem Wechselwirkungen stattfinden, aus denen vielfältige chemische Substanzen resultieren. Astrobiologen sehen darin einen Legokasten, in dem eine extraterrestrische Schöpfung munter spielen könnte. Vor diesem Hintergrund konzipiert man eine künftige Raumsonde: Dragonfly, auf Deutsch: „Libelle“. Im Juni 2019 wählte die NASA diese Mission unter einem Dutzend Vorschlägen aus, die das Mittelklasseprogramm „New Frontiers“ fortführen soll.

Eine Drohne soll 2034 nach einem achtjährigen Flug auf dem Saturnmond landen und nach Anzeichen für mikrobiologisches Leben Ausschau halten. Sie soll zu senkrechten Starts und Landungen fähig sein und autonom von Ort zu Ort fliegen. Von den insgesamt acht Rotoren bewerkstelligen vier den Flugbetrieb; die anderen vier sind als Ersatz vorgesehen (dualer Quadrocopter). Die Energie dafür wird durch Radionuklidbatterien (RTGs) sichergestellt.

 

Titelbild Ausgabe 4/2020

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