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Astro-Forschung
Die Party in Laniakea

Emil Khalisi

Abb. 1: Der Virgo-Haufen (Foto Carsten Frenzel [1])

Unser Lebensraum befindet sich in einer unbedeutenden Ecke der Milchstraße und diese wiederum in einer relativ ereignisarmen Region des Universums. Wenn man etwas Fetziges erleben will, muss man in der Hierarchieleiter der Sternenansammlungen weit hochklettern. Vor wenigen Jahren hat man eine monströse Struktur entdeckt, die sich durch Superlative auszeichnet: Laniakea.

Nach vielen Monaten von Reisebeschränkungen und anderweitigen Einschnitten sehnt sich so manch eine/r nach entfernten Urlaubszielen. Vielleicht haben Sie ja mit dem Gedanken gespielt, die totale Sonnenfinsternis im Dezember 2020 in Südamerika zu verfolgen – und mussten leider zu Hause bleiben? Wem dies nicht weit genug gewesen ist, hat eventuell den Rover Perserverance um seine Dienstreise zum Mars beneidet? Ein bisschen länger unterwegs sind die zwei Voyager-Sonden, die mittlerweile den termination-shock passiert haben: einen ersten Grenzposten auf dem Weg hinaus aus der Heliosphäre.

Wenn Ihnen, liebe Leser/innen, all dies zu heimatnah erscheinen mag, dann besuchen Sie doch Laniakea! Ein Bummel durch die dortige Einkaufszone kann zu einem unvergesslichen Vergnügen werden. Laniakea ist kein schwedisches Möbelhaus, sondern man benötigt Warp-Geschwindigkeit, um dorthin zu gelangen.

Unsere Milchstraße ist bereits eine ungeheure Ansammlung von Sternen, und wir überblicken gerade mal einen winzigen Bereich darin. Doch die Milchstraße, so groß oder klein sie auch sein mag, ist nur das zweitgrößte Sternsystem in einem Raumgebiet, das man als „Lokale Gruppe“ bezeichnet. Dieses Gebiet erstreckt sich über 5 bis 8 Millionen Lichtjahre und enthält etwa 60 Welteninseln. Darin dominiert die Andromeda-Galaxie und verweist unsere Milchstraße auf Rang zwei. Den dritten Platz belegt die Triangulum-Galaxie, die übrigen klassifiziert man eher als Zwerge.

Doch auch die Lokale Gruppe stellt ihrerseits nur eine Nebenstraße im Verkehr des intergalaktischen Straßennetzes dar. Die Party findet im Virgo-Haufen statt, einem Galaxienhaufen in einer Entfernung von 60 Millionen Lichtjahren. Dort tummeln sich 1.500, vielleicht auch 2.000 Galaxien, von denen in Abbildung 1 nur ein mickriger Teil zu sehen ist. Wir in der Lokalen Gruppe sind zwar zur Party eingeladen, aber es wird noch eine Weile dauern, bis unser müdes Grüppchen eine derartige Distanz überwunden haben wird. Weitere Rudel, die sich auf den zentralen Virgo-Haufen zubewegen, sind die sogenannte Fornax-Galaxiengruppe, die Leo- und die M83-Gruppe. Sie sind jeweils eine unter rund 100 bis 200 kleineren Familienclans, die alle beim großen Meeting im Virgo-Haufen dabei sein wollen.

Doch dieser bildet keineswegs die einzige Partyszene im Universum. Im Coma-Galaxienhaufen lacht man über die rund 2.000 Gäste der Virgo-Party. Dort feiert man nämlich mit 10.000 Galaxien. Der Coma-Haufen formt die zentrale Theke, die man aufgrund ihrer Ausläufer mit dem Begriff „Große Mauer“ umschreibt: eine lang gezogene Struktur aus vielen Galaxiengruppen, die allesamt zum Coma-Haufen streben [2]. Als Gesamtheit formen sie den gleichnamigen Coma-Super-Haufen. Eine Grußbotschaft dorthin braucht 300 Millionen Jahre.

Quellenverzeichnis

[1] Frenzel, Carsten (2015): Galerie-Bild vom Virgohaufen, sternzeit 40, 2/2015, p86-87
[2] Keller, Hans-Ulrich (2019): „Kompendium der Astronomie“, Stuttgart, 6. Auflage, Kap. 9.1.5 + 9.1.6

 

Titelbild Ausgabe 4/2021

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