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Kalendermathematik
Der Mond im gregorianischen Kalender (2)

Heiner Lichtenberg

Abb. 1: Die Kalendergleichungen

Weitgehend unbekannt blieb bis heute, dass sowohl der julianische wie auch der gregorianische Kalender die Mondphasen tagtäglich mit zählen, und das seit Jahrhunderten. Das geschieht wegen der Terminierung des Osterfestes. Im Laufe der Jahrhunderte wich jedoch der julianische Kalender (siehe auch sternzeit 1/25, Seite 27ff) immer stärker von der astronomischen Realität ab. 1582 wurde durch die gregorianische Kalenderreform der – heute weltweit meistgebrauchte – gregorianische Kalender eingeführt. 

Die Kalendergleichungen (Sternzeit 2/25, Seite 106, Abbildung 1) offenbaren, dass die gregorianische Reform eine Säkularkorrektur am julianisch-bedanischen Kalender darstellt. Sie zeigen nicht die Sofortkorrekturen von 1582 der Abdriften an, die in den beiden Kalenderkomponenten entstanden waren: 10 Tage in der Sonnenkomponente, wie allgemein bekannt (Abb.1), drei Tage in der Mondkomponente, wie bis heute unbekannt geblieben, ja, in der Bulle „Inter gravissimas“ sogar irreführend mit „quatuor, & eo amplius dies“, mit „vier und etwas mehr Tagen“ bezeichnet wurden. Diese irritierende Fehlinformation durch Gregor XIII. (Abb. 2) resultiert wohl aus dessen Bestreben, zeitrechnerische Einzelheiten aus dem Ersten Ökumenischen Konzil (Nicäa 325) herzuleiten, was aber nicht geht, denn das Konzil hat – soweit ich sehe – lediglich einen (kirchen-) politischen Grundsatz beschlossen, aber keine zeitrechnerischen Einzelheiten. Selbst der Grundsatz wurde nur vage dokumentiert, nämlich nicht durch einen förmlichen Beschluss, sondern in einem Brief des Konzils an die Kirche in Alexandria, dem damaligen wissenschaftlichen Zentrum des Mittelmeerraumes. Die Auslassung von drei Tagen in der Lunarzählung des julianisch-bedanischen Kalenderzählung liefert auch einen Schlüssel zur Lösung der oben erwähnten Frage, wann die Mondphasen in den julianischen Kalender eingebaut worden sind. 

Die Gleichungen unterstreichen jedoch die Offenheit des Kalenders gegenüber geänderten Bewegungsverhältnissen von Sonne und Mond. Sollten solche eintreten – was bisher nicht der Fall war – berechne man neue Parameter s, P, e und Q (Näheres zu diesen Parametern siehe sternzeit 2/25, Seite 101 ff) für die solaren bzw. lunaren Zählungen im Kalender. Wie dies geschehen kann, soll jetzt dargestellt werden.

 

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